Rückblick: Trading-News vom 24. Mai bis 7. Juni 2018

IQ Option ErfahrungenDie Krise in Italien beschäftigt derzeit ganz Europa. In der vergangenen Woche sah es zunächst danach aus, dass die Regierungsbildung zwischen der rechtspopulistischen Lega und der als linkspopulistisch eingestuften 5-Sterne-Bewegung gescheitert ist. Der italienische Präsident Sergio Mattarella legte sein Veto gegen den designierten Finanzminister Paolo Savona ein, der mit äußerst kritischen Aussagen zur EU und zum Euro aufgefallen war. Matteralla beauftragte zunächst den ehemaligen IWF-Mitarbeiter Carlo Cottarelli mit der Bildung einer Regierungsbildung. Wenige Tage später einigten sich Lega und 5-Sterne-Bewegung allerdings und Giuseppe Conte wurde wie zuvor geplant Ministerpräsident des Landes.

Ein weiteres großes Thema der letzten Wochen war das Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Vor allem kleiner Unternehmen stellt dieser vor großer Herausforderungen. Der Handel befürchtet zudem Wettbewerbsnachteile von europäischen Händlern gegenüber der Konkurrenz aus den USA und Asien.

Weiterhin sind auch Importzölle der USA ein großes Thema. Nun will US-Präsident Donald Trump auch Autoimporte aus der EU mit höheren Zöllen belegen. Der Handelsstreit wird sicher auch Thema auf dem G7-Treffen am Wochenende in Kanada sein.

Wirtschaft

EU

Sorgen vor neuer Eurokrise

Die angespannte politische Situation in Italien alarmiert auch die EZB und die italienische Notenbank. Beide warnen vor einer neuen Eurokrise. Der italienische Notenbankchef Ignazio Visco hielt eine regelrechte „Brandrede“, in der er davor warnte, dass sein Land kurz davor stehe, Vertrauen zu verspielen. Auch der noch amtierende EZB-Vizepräsident Vitor Constancio erinnerte daran, dass Investoren das Land bereits 2012 angegriffen hatten. Constancio ließ offen, ob die EZB im Notfall eingreifen und das Land vor einer Zahlungsunfähigkeit schützen müsste. Constancio wählte ungewöhnlich deutliche Worte.

Die Krise in Italien in Verbindung mit dem derzeit schwachen Wirtschaftswachstum führte an den Märkten dazu, dass die Hoffnung auf Zinsschritte der EZB im nächsten Jahr zurückgingen. An den Märkten rechnet man derzeit nur noch damit, dass die EZB Ende des kommenden Jahres ihre Strafzinsen für Geldhäuser leicht reduziert. Noch Anfang Mai spekulierte man, dass es im kommenden Jahr drei Zinserhöhungen geben könnte.

Sorge vor Ausstieg eines Landes aus der Eurozone

In der Eurozone sorgt man sich zudem vor einem Auseinanderfallen der Währungsunion. In einer Umfrage der Investmentberatung Sentix unter 5000 Investoren sagten 13 Prozent der Befragten, dass man damit rechne, dass in den nächsten zwölf Monaten mindestens ein Land aus der Währungsunion aussteigen werde. Dies ist der höchste Wert seit über einem Jahr. Die Anleger zeigten sich durchaus verunsichert. Zwischenzeitlich war ein Euro nur noch 1,1528 Dollar Wert; der tiefste Wert seit zehn Monaten.

Italienische Staatsanleihen unter Druck

Auch italienische Staatsanleihen stehen unter Druck. Viele Investoren trennen sich derzeit von diesen. Diese Verkäufe führten dazu, dass die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen auf ein Vier-Jahres-Hoch anstiegen. Das Geschäftsklima verschlechterte sich im Mai laut dem Statistikamt Istat ebenfalls um 0,3 Punkte und liegt nun auf dem niedrigsten Wert seit Januar 2017. Auch das italienische Konsumklima-Barometer fiel im Mai und liegt nun auf dem niedrigsten Stand seit August 2017.

Kapitaldecke italienischer Banken in Gefahr

Laut einer Studie der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs bedrohen die Pläne der neuen italienischen Regierung die Kapitaldecke der Banken im Land. Die sogenannte „harte Kernkapitalquote“ der Finanzinstitute könnte um bis zu 0,6 Prozent zurückgehen. Vor allem kleinere Banken wären betroffen. Die neue Regierung könnte mit ihren Plänen für ein höheres Staatsdefizit und damit mehr Schulden sorgen. Banken müssten in der Folge den Marktwert von Staatsanleihen in ihren Büchern geringer ausweisen. Auch Steuergutschriften könnten verloren gehen, wenn die Regierung die Körperschaftssteuer senkt. Wenn sich die Marktbedingungen verschlechtern sollten, müssten die Geldhäuser zudem Abschreibungen auf faule Kredite hinnehmen.

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Französische Regierung geht auf Bahn zu

Seit Monaten schwelt in Frankreich der Streit um eine Reform der Staatsbahn SNCF. Die Gewerkschaften hatten bereits mehrere Streiktage durchgeführt. Nun geht die Regierung in Paris einen Schritt auf die Gewerkschaften zu. Die SNCF hat in den letzten Jahren einen Schuldenberg von 47 Milliarden Euro angehäuft. Ministerpräsident Edouard Philippe bot nun an, 35 Milliarden davon zu übernehmen. Außerdem stellte er zusätzliche Investitionen im Wert von 200 Millionen Euro im Jahr in Aussicht. Das Angebot könnte dazu beitragen, die seit zwei Monaten andauernden Streiks bei der Staatsbahn zu beenden. Vor allem den gemäßigten Gewerkschaften wie der Unsa oder der CFDT könnte die Regierung damit entgegenkommen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron möchte die SNCF sanieren und in diesem Zusammenhang auch traditionelle Vorteile wie lebenslange Arbeitsverträge und die Frührente abschaffen.

Entscheidung über Rettungsprogramm für Griechenland im Juni

Die europäischen Finanzminister wollen im Juni eine Entscheidung über das Rettungsprogramm für Griechenland treffen. Man will laut Eurogruppen-Chef Mario Centeno über alle ausstehenden Maßnahmen sowie eine Schuldenerleichterung entscheiden. Wichtig ist den Verantwortlichen in Brüssel jedoch, dass Griechenland weiter Reformen umsetzt. Das Rettungsprogramm für Griechenland läuft im August aus. In Athen plant man, sich dann wieder über den Kapitalmarkt zu finanzieren.

Unterdessen kam es in Griechenland erneut zu Protesten gegen weitere Sparmaßnahmen. Unter anderem war der öffentliche Nahverkehr betroffen und auch Flüge und Fähren stellten ihre Arbeit ein. Allein in Athen demonstrierten mehr al 10.000 Menschen vor dem Parlament. Die geplanten Sparmaßnahmen sollen nach Ende des Rettungsprogramms in Kraft treten. Die Griechen hatten gehofft, dass mit Ende des Rettungsprogramms auch die ungeliebten Sparmaßnahmen ein Ende haben werden.

Merkel geht auf Macron zu

Angela Merkel bekräftigte in einem Zeitungsinterview, dass die Bundesregierung einen Investivhaushalt im Euroraum befürwortet. Damit geht sie einen Schritt auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu, der schon seit einiger Zeit Reformen für die EU und den Euroraum fordert. Ein solcher Investivhaushalt könnte die Annäherung der Mitgliedsstaaten fördern.

Auch einem Umbau des Rettungsfonds ESM zu einem Europäischen Währungsfonds verschließt sie sich nicht. Allerdings lehnt Merkel Überlegungen zu einem Schuldenerlass für Italien ab. Darüber hinaus stellt sie sich gegen Forderungen der EU-Kommission, Deutschland sollte beim nächsten EU-Haushalt seinen Anteil im Vergleich zur Wirtschaftsleistung anheben. Bundesbankpräsident Jens Weidmann rief die Regierungen in Paris und Berlin dazu auf, gemeinsam an Reformen für die Eurozone zu arbeiten.

USA

Zölle auf Autoimporte in die USA

US-Präsident Donald Trump will nach dem Vorbild der Zölle auf Stahl und Aluminium auch auf Autoimporte höhere Zölle verhängen. Das Handelsministerium soll prüfen, ob Autoimporte die nationale Sicherheit seines Landes bedrohen. In diesem Fall könnte Trump selbst über entsprechende Zölle entscheiden. Als Folge der Ankündigungen aus den USA verloren zahlreiche Autowerte an der Frankfurter Börse rund zweieinhalb Prozent.

Die Zölle für Autos, LKWs und Autoteile könnten um bis zu 25 Prozent erhöht werden. Bislang muss man beim Import von Autos in die USA einen Einfuhrzoll von drei Prozent zahlen. Die EU verlangt für US-Autos dagegen Zölle in Höhe von zehn Prozent.

Kritik aus der Autoindustrie

Vor allem die deutsche Autoindustrie reagierte besorgt auf die Ankündigungen aus den USA. Dieter Kempf, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), kritisierte die Pläne der USA zu höheren Zöllen auf Autoimporte deutlich. Das Argument, das Autoimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden, ist für ihn besorgniserregend. Er sieht in höheren Importzöllen für Autos lediglich Nachteile für das eigene Land. Höhere Zölle könnten Arbeitsplätze in den USA gefährden, da viele deutsche Autohersteller in den USA produzieren.

US-Fabriken erhöhen Produktion

Trotz der Sorgen vor einem Handelskrieg erhöhten laut der Fed die amerikanischen Fabriken Ende April und Anfang Mai ihre Produktion. Zudem wuchs die Wirtschaft leicht. Dies geht aus dem Konjunkturbericht „Beige Book“ der Fed hervor. Die Fed zeigte sich insgesamt durchaus optimistisch.

Über die Hälfte der Fed-Distrikte konnten eine Belebung der Industrieaktivität vermelden, ein Drittel davon sogar eine sehr hohe Aktivität. Dennoch machen sich Unternehmen in den USA Sorgen angesichts der Spannungen zwischen den USA und anderen Ländern, insbesondere China. Das Wirtschaftswachstum in den USA betrug zu Jahresbeginn nur 2,2 Prozent. Ende des vergangenen Jahres waren es noch 2,9 Prozent. Dennoch plant die Fed weiterhin mit einer baldigen Erhöhung der Zinsen.

Änderungen an Volcker-Rule möglich

Die Fed präsentierte einen Vorschlag für Veränderungen an der Volcker-Rule, die vor zehn Jahren in Folge der Finanzkrise eingeführt wurde. Die Änderungen soll amerikanischen Banken den Eigenhandel erleichtern. Die Volcker-Rule verbietet es Banken, gesicherte Kundeneinlagen für risikoreiche Handelsgeschäfte auf eigene Rechnung zu verwenden.

Der Vorschlag der Fed sieht vor, dass nur noch Banken mit einer Handelsaktiva von über zehn Milliarden Dollar die strengsten Regeln einhalten müssen. Für Finanzinstitute, die mit einer bis zehn Milliarden Dollar arbeiten, sollen weniger strenge Regelungen gelten. Auf diesem Weg will man auch in Zukunft besonders risikoreiche Finanzwetten der Banken verhindern.

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Die Volcker-Rule, benannt nach dem ehemaligen Chef der Fed Paul Volcker, ist Teil des Dodd-Frank-Acts, der in Folge der Finanzkrise in Kraft trat. Vor kurzem hatte der amerikanische Kongress bereits Regulierungen für kleinere und mittlere Banken gelockert.

GELD- UND WÄHRUNGSPOLITIK

Entscheidung über Ende der Anleihenkäufe möglicherweise im Juni

Laut EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger könnte es bald an der Zeit sein, die Anleihenkäufe der EZB zu beenden. Ab Juni könnte man nach und nach mit dem Ende der Käufe beginnen. Noch sei etwas Geduld nötig, man bewege sich aber langsam in Richtung Ende der Anleihenkäufe. Lautenschläger sagte auch, dass Spekulationen, die EZB könnte Mitte 2019 die Schlüsselzinsen anheben, in etwa zutreffend seien.

Aus Sicht von Lautenschläger expandiere die Wirtschaft in der Eurozone weiterhin. Die Gründe für den derzeitigen Rückgang des Wachstums sind ihrer Ansicht nach vorübergehend und hängen unter anderem mit Streiks und der Grippewelle zusammen. Der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts für die Eurozone ging zu Jahresbeginn fast um die Hälfte zurück. Einige Experten hatten daher bereits spekuliert, ob die EZB ihre Anleihenkäufe in der Tat weiter zurückfahren wird.

Unsicherheiten an den Devisenmärkten

Der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank, Fritz Zurbrügg, beobachtet, dass die Devisenmärkte fragil sind. Die Geldpolitik der SNB mit Negativzinsen und Interventionen am Devisenmarkt ist daher auf diese Unsicherheiten ausgerichtet. Kürzlich hatten die Sorgen vor einem Austritt Italiens aus dem Euro den Schweizer Franken auf den höchsten Stand seit über sechs Monaten ansteigen lassen. Die SNB will eine Aufwertung des Franken jedoch mit allen Mitteln verhindern.

Ende der ultra-lockeren Geldpolitik in Sicht

Auf ihrer nächsten Sitzung am 14. Juni könnte die EZB das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik einleiten. Zunächst soll es auf der Sitzung um ein Ende der Anleihenkäufe gehen. Allerdings wird nicht erwartet, dass die Zentralbank eine konkrete Vorgehensweise hierzu bekannt gibt, möglicherweise allerdings ein Enddatum. Die führt auch dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass im Juli 2019 die Zinsen für die Eurozone erhöht werden, auf 70 Prozent stieg. Auch der Euro profitierte von dieser Nachricht und stiegt leicht an.

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