Auf eToro-Gewinne folgt die Abgeltungssteuer

eToro AbgeltungssteuereToro bezeichnet sich selbst als Social Trading-Plattform. Das Besondere an diesem Broker ist das Feature „Copy Trader“. Hier kann man anderen Tradern folgen und von ihren Erfahrungen profitieren. Hat man eine Strategie erkannt oder für sich selbst entwickelt, kann man sie selber anwenden. Der Trader erhält dafür eine Vergütung und der Neuling sammelt Erfahrungen und meistens auch schon Gewinne. In Deutschland muss jegliche Form von Einkünften, egal durch welche Zuflüsse, versteuert werden. Jedoch gelten für die verschiedenen Formen von Einkünften unterschiedliche Steuerformen und Steuersätze. Um Herauszufinden welche Einkünfte zu welchem Satz versteuert werden und was man dann wiederum von der Steuer absetzen kann, bleibt oft nur der Gang zum Steuerberater. Binäre Optionen sind im Bereich der Einkünfte aus Kapitalvermögen eine Sonderform, da man sich in Deutschland noch nicht endgültig auf eine Zuordnung zum Glücksspiel oder zum Finanzprodukt einigen konnte. Gängige Praxis ist die Einstufung als Finanzprodukt, welches die Abgeltungssteuer nach sich zieht.

Inhaltsverzeichnis

  • Das wichtigste auf einen Blick:
  • Abgeltungssteuer – Was ist das? Für wen gilt sie?
  • ABGELTUNGSSTEUER IM DETAIL
  • Wichtig: Freibetrag nur einmalig anwendbar
  • Binäre Optionen und die Steuerpflicht
  • Die Abgeltungssteuer bei eToro: Sonderstatus oder allgemeine Regelung?
  • eToro und die Steuererklärung
  • Kann ich die eToro Abgeltungssteuer umgehen?
  • Fazit: eToro Abgeltungssteuer von rund 30% muss selbst entrichtet werden

Das wichtigste auf einen Blick:

  • Die Abgeltungssteuer gilt bei Einkünften aus Kapitalvermögen.
  • Es gilt ein Sparerfreibetrag von 801,-€ für Singles und 1602,-€ für Ehepaare pro Jahr.
  • Der Steuersatz beträgt 25% der Einkünfte aus Kapitalvermögen abzüglich des Sparerfreibetrags + 5,5% Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
  • Gewinne und Verluste können gegeneinander aufgerechnet werden.
  • Anlagegattungen werden separat saldiert.
  • Nicht-deutsche Unternehmen führen keine Steuern an das Finanzamt ab.
  • Deutsche Trader müssen ihre eToro Steuern selber abführen.

Hinweisbox Binaere Optionen

Abgeltungssteuer – Was ist das? Für wen gilt sie?

Die Abgeltungssteuer wurde 2009 in Deutschland eingeführt und greift bei Einkünften aus Kapitalvermögen, wie zum Beispiel Zinsen oder Dividenden. Singles haben einen Sparerfreibetrag von 801,-€, verheiratete Paare von 1602,-€ im Jahr.

Alle Einkünfte aus Kapitalvermögen, die über diesen Sparerfreibetrag hinausgehen werden versteuert. Der Steuersatz liegt hier bei 25%, zuzüglich des Solidaritätszuschlags von 5,5% und gegebenenfalls der Abzug von Kirchensteuern.

In Deutschland müssen Einkünfte aus Kapitalvermögen abzüglich des Sparerfreibetrags mittels der Abgeltungssteuer versteuert werden.

eToro Social Trading Gewinne und Abgeltungssteuer

eToro Social Trading Gewinne müssen versteuert werden

ABGELTUNGSSTEUER IM DETAIL

Um zu verstehen, wie hoch die eToro Abgeltungssteuer tatsächlich ausfällt, sei im Folgenden ein Praxisbeispiel erläutert. Ausgegangen wird von folgenden Fall:

  • Die Kapitalerträge eines beispielhaften Traders, der alleinstehend ist.
  • Betrachtet sei das Kalenderjahr 2016.
  • Insgesamt hat der Anleger Gewinne von 25.000 Euro erwirtschaftet.
  • Allerdings landeten einige Trades auch außerhalb der Gewinnzone, wobei ein Verlust von 5.000 Euro entstanden ist.

Im ersten Schritt gilt es für den Trader, die Bemessungsgrundlage – also vereinfacht gesprochen seinen Gewinn – korrekt zu ermitteln. Dazu werden im ersten Schritt die Verluste von den tatsächlichen Erträgen abgezogen, wodurch in diesem Fall 20.000 Euro verbleiben. Allerdings handelt es sich hierbei noch nicht um die Bemessungsgrundlage, weil der Trader den Sparerfreibetrag von 801 Euro geltend machen kann. Somit verbleiben lediglich 19.199 Euro als Bemessungsgrundlage, auf deren Bass zunächst die Kapitalertragssteuer an sich errechnet wird:

19.199 * 0,25 = 4.799,25 Euro

Beim Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer fungiert jetzt hingegen die gezahlte Steuerlast als Bemessungsgrundlage – in diesem Fall also jene 4.799,25 Euro. Hierauf sind 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und je nach Bundesland 8 oder 9 Prozent Kirchensteuer zu entrichten:

4.799,25 * 0,055 = 264 Euro

4.799,25 * 0,09 = 432 Euro

Damit summiert sich die gesamte Steuerlast schließlich zu einem Betrag von 5.495,25 Euro. Bezogen auf den Reingewinn von 20.000 Euro liegt die prozentuale Besteuerung damit bei einem Wert von rund 27,50 Prozent. Als Faustregel sollte mit einer gesamten Steuerlast von rund 30 Prozent kalkuliert werden, denn diesem Wert nähert sich die Besteuerung, weil der Freibetrag bei höheren Gewinnen immer weniger ins Gewicht fällt.

Wie das Beispiel zeigt, liegt die tatsächliche Besteuerung von Kapitalerträgen meist bei fast 30 Prozent, weil zusätzlich noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer entrichtet werden müssen.

Wichtig: Freibetrag nur einmalig anwendbar

In Deutschland sind vor allem Kleinanleger weitestgehend von der Kapitalertragssteuer befreit, weil es den bereits angesprochenen Freibetrag von 801 Euro für Alleinstehende bzw. 1.602 Euro für Verheiratete gibt. Allerdings muss beachtet werden, dass der Betrag für alle Kapitalerträge gilt und nicht für jede Unterkategorie. Ein Beispiel:

  • Der Trader hat mit CFDs 10.000 Euro verdient und zusätzlich noch Aktiengewinne in Höhe von 5.000 Euro realisiert.
  • Obwohl die Gewinne aus zwei unterschiedlichen Quellen stammen, kann der Freibetrag nur einmalig verwendet werden und liegt weiterhin bei 801 Euro.

Das gilt es insbesondere zu berücksichtigen, wenn sogenannte Freistellungsaufträge bei deutschen Banken oder Brokern eingerichtet sind. Ist dies der Fall, führt der jeweilige Finanzdienstleister einen Teil der Kapitalertragssteuer nicht direkt an das Finanzamt ab. Der Anleger selbst darf dann aber nicht zusätzlich in der Steuererklärung den vollen Freistellungsbetrag von 801 Euro für die bei einem ausländischen Broker erzielten Gewinne aus dem CFD-Handel geltend machen.

Der Freibetrag kann auch für Gewinne bei eToro genutzt werden, darf aber insgesamt 801 Euro nicht übersteigen – für die gesamten Kapitalerträge eines Jahres.

Binäre Optionen und die Steuerpflicht

Derzeit schwebt in Deutschland noch die Frage im Raum, ob Binäre Option dem Glücksspiel zugeordnet werden können oder ob es sich um ein Finanzprodukt handelt. Tendenziell geht die Gesetzgebung von letzterem aus. Somit zählen deren Gewinne nach der neuen Regelung als Einkünfte aus dem Kapitalvermögen, weshalb – wie oben erläutert – eine Abgeltungssteuer abgeführt werden muss. In Deutschland dürfen Gewinne und Verluste einer Anlagegattung miteinander aufgerechnet werden. Das bedeutet, dass von den Gewinnen aus dem Handel mit Binären Optionen die Verluste aus selbigem subtrahiert werden dürfen. Jedoch ist es nicht erlaubt Verlustgeschäfte aus anderen Transaktionen mit den Gewinnen aus Binären Optionen zu verrechnen.

Gewinne Binärer Optionen gelten als Einkünfte aus Kapitalvermögen. Gewinne und Verluste aus ein und derselben Anlageform können gegeneinander aufgerechnet und der Saldo versteuert werden.

Die Abgeltungssteuer bei eToro: Sonderstatus oder allgemeine Regelung?

Wissen_varianteAllgemein gilt, dass deutsche Kreditinstitute Kursgewinne, Zins- und Dividendenerträge direkt an das Finanzamt abführen. Trotz der noch unklaren Abgrenzung zwischen Glücksspiel und Finanzprodukt werden in der Regel auch Gewinne durch das Traden Binärer Optionen von deutschen Banken und Brokern direkt versteuert und abgeführt. Es ist anzumerken, dass Gewinne aus klassischen Optionen versteuerungspflichtig sind, weshalb eine gesetzliche Festlegung in diese Richtung zu erwarten ist.

eToro ist ein weltweit aktiver Broker, dessen europäischer Stammsitz auf Zypern sitzt. Das hat zur Folge, dass für ihn, wie für alle anderen ausländischen Broker die deutschen Regularien nicht gelten. Ihm kommt somit kein Sonderstatus zu, sondern weder er noch andere europäische oder andere internationale Broker sind zur direkten Abführung der Abgeltungssteuer an deutsche Finanzämter verpflichtet. Jedoch sind deutsche Trader dazu verpflichtet ihre Gewinne selber zu versteuern. Da die Zentralbanken und Finanzämter in Europa ihr Netzwerk immer weiter ausbauen, ist es ratsam die Salden-Gewinne in vollem Umfang anzugeben.

Broker und Kreditinstitute außerhalb Deutschlands führen keine Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab. Trader müssen ihre eToro-Gewinne als Einkünfte aus Kapitalvermögen selber angeben und eine eToro Abgeltungssteuer zahlen.

eToro und die Steuererklärung

Wenn es einmal im Jahr in Deutschland heißt „Einkommenssteuererklärung abgeben“ zuckt die Hälfte der Bevölkerung zusammen. Hier kommt der Moment wo sämtliche Einkünfte aus selbstständiger, unselbstständiger Arbeit, Mieteinnahmen und die Einkünfte aus Kapitalvermögen offen gelegt werden müssen.

Es ist bei eToro durchaus möglich, dass bereits mit Ablauf des ersten Trading-Jahres versteuerungspflichtige Gewinne – also Gewinne, die über den Steuerfreibetrag hinausgehen – in einer eToro Steuererklärung angegeben werden müssen.

Derjenige, der Einkommen aus Kapitalerträgen erzielt, muss das Zusatzformular der Einkommenssteuererklärung KAP zur Hand nehmen.

Abgeltungssteuer eToro Einkommenssteuererklärung

Dieser Anlage KAP sollte ein Kontoauszug aus dem Handelskonto beigelegt werden. Aus dem Saldo der Tradingerfolge und –misserfolge errechnet sich dann der zu versteuernde Gewinn. Um bei eToro einen Kontoauszug zu erhalten muss man einfach die Registerkarte „Historie“ öffnen und „Kontoauszug anzeigen“ anklicken. Hier kann man sich dann die Kontoauszüge für die gewünschte Zeitperiode – im Fall der eToro Steuererklärung für ein Kalenderjahr – anzeigen lassen. Dieser kann dann im pdf-Format abgespeichert und ausgedruckt, bzw. dem Elsterformular angehangen werden.

Die Vorgehensweise:

  1. Die eToro-Kontoauszüge als PDF-Datei speichern und gegebenenfalls ausdrucken.
  2. Den Saldo aus Trading-Gewinnen und -Verlusten berechnen.
  3. Die Anlage KAP der Einkommenssteuererklärung ausfüllen.
  4. Der Einkommenssteuererklärung die eToro-Kontoauszüge beilegen oder anhängen.

Im ersten erfolgreichen Trading-Jahr ist auf jeden Fall erst nachträglich eine Steuerzahlung fällig. Je nach Höhe der eingefahrenen Gewinne kann das Finanzamt jedoch im Folgejahr eine vierteljährliche Vorauszahlung verlangen. Dies wird dank des in Deutschland herrschenden Föderalismus von Finanzamt zu Finanzamt unterschiedlich gehandhabt. Beispielsweise wird in Thüringen seit 2014 die Kirchensteuer auf Einkünfte aus Kapitalvermögen, das über dem Sparerfreibetrag liegt direkt an das Finanzamt überwiesen. Wer unliebsame Überraschungen vermeiden will, sollte sich im Vorfeld beim zuständigen Finanzamt informieren.

Der europäische Firmensitz von eToro sitzt in Zypern, weshalb der Broker keine Abgeltungssteuer an das deutsche Finanzamt überweisen muss. Binäre Optionen haben im Gegensatz zu klassischen Optionen noch keinen rechtlichen Rahmen, Gewinne müssen aber von erfolgreichen Tradern in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Hierzu bietet eToro die Möglichkeit Kontoauszüge als PDF abzuspeichern oder auszudrucken und als eToro Steuererklärung beizulegen. Die Gewinne müssen in der Anlage KAP der Einkommenssteuererklärung aufgeführt werden.

Kann ich die eToro Abgeltungssteuer umgehen?

Die Kapitalertragssteuer schmälert die eigenen Gewinne bei eToro um einen nicht unerheblichen Betrag. Folglich stellen sich viele Trader die Frage, ob sie die Steuerlast verringern können oder das Prozedere gar umgänglich ist. Die kurze Antwort: Nein, das ist nicht möglich. Zumindest nicht, ohne dabei gegen geltende Gesetze zu verstoßen und somit eine Straftat zu begehen.

Sehr wohl möglich ist es hingegen, die Zahlung der Steuerlast möglichst weit nach hinten zu verschieben und bis dahin mit den Steuern selbst weiter zu traden. Schließlich muss der Trader seine Steuererklärung für beispielsweise das Jahr 2016 erst Mitte 2017 abgeben. Gerade in großen Städten dauert es schnell bis September oder Oktober, bis das Finanzamt dann die Festsetzung an sich verschickt. In der Zwischenzeit behält der Anleger die Steuerzahlung ein und kann sie durchaus weiterverwenden, um etwa neue CFD-Positionen zu eröffnen.

Achtung: Trotz der Verzögerung ist es unumgänglich, die Kapitalertragssteuer dann Mitte bis Ende des Folgejahres zu entrichten. Sollte dieses Geld in der Zwischenzeit beim CFD-Trading verloren worden sein, kann das zu ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten führen. In der Regel muss der Trader ein empfindliches Bußgeld zahlen, wenn Zahlungen verspätet erfolgen oder gar versäumt werden.

Die Abgeltungssteuer kann von Tradern nicht umgangen werden, sie ist in jedem Fall zu zahlen.

Fazit: eToro Abgeltungssteuer von rund 30% muss selbst entrichtet werden

Auch Erträge aus dem Handel mit Finanzderivaten wie CFDs müssen vom Anleger versteuert werden – denn der Gesetzgeber unterscheidet nicht mehr zwischen einzelnen Finanzinstrumenten. Der Steuersatz liegt dabei bei fast 30 Prozent und setzt sich aus Kapitalertragssteuer, Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuer zusammen. Angegeben werden müssen die Erträge immer im Rahmen der eigenen Einkommensteuererklärung, weil eToro entsprechende Daten als zypriotischer Broker nicht automatisch an das deutsche Finanzamt übermittelt.

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