Rückblick: Trading News vom 13. bis 27. April 2017

In Großbritannien sorgte Premierministerin Theresa May mit ihrer Ankündigung, für Juni vorgezogene Neuwahlen zu planen, für eine Überraschung. Sie möchte mit diesem Schritt wohl ihre Position im Hinblick auf die Anstehenden Brexit-Verhandlungen stärken. In Frankreich wurde bereits gewählt: Aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen ging der sozial-liberale Kandidat der Mitte Emmanuel Macron als Sieger hervor. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen zog als Zweite ebenfalls in die Stichwahl ein.

Inhaltsverzeichnis

  • Wirtschaft
  • Geld- und Währungspolitik

Wirtschaft

EU

Neuwahlen in Großbritannien

Theresa Mays Neuwahl-Ankündigung wird von Ökonomen unterschiedlich bewertet. So hält Ifo-Präsident Clemenst Fuest ihre Ankündigung für einen cleveren Schachzug. Sie könnte mit einem klaren Wahlsieg in der Tat gestärkt in die Verhandlungen mit der EU eintreten. Andere Ökonomen wie DIW-Chef Marcel Fratzscher sehen in den Neuwahlen ein Risiko für May und befürchten Verzögerungen bei den Brexit-Verhandlungen. An den Finanzmärkten sorgte die Ankündigung allerdings zunächst für Verunsicherung. Investoren setzten kurzfristig auf sichere Anlagen und auch der britische Aktienindex FTSE 100 sank zunächst. Das britische Pfund konnte allerdings von Mays Ankündigung profitieren und legte deutlich zu. Dennoch ist die Währung noch immer mehr als 15 Prozent billiger als vor dem Brexit-Votum im vergangenen Sommer.

Minus im britischen Einzelhandel

Verunsicherung spürt auch der britische Einzelhandel. Im ersten Quartal des Jahres mussten die britischen Einzelhändler den größten Umsatzeinbruch seit sieben Jahren verkraften. Dies geht aus Zahlen des britischen Statistikamtes ONS hervor. Zwischen Januar und März sanken die Einnahmen um 1,4 Prozent im Vergleich zum letzten Quartal 2016. Als Grund werden die steigenden Preise in Großbritannien genannt. Infolge der Inflation im Land müssen besonders Familien einen starken Anstieg der Lebenshaltungskosten verkraften und senken daher ihre Ausgaben.

Wahlen in Frankreich

Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich zeigte sich die deutsche Wirtschaft erfreut über den Erfolg Emanuel Macrons. Auch in der Stichwahl ist er der Wunschkandidat. Macron steht für internationale Zusammenarbeit und offenen Welthandel. Die deutsche Wirtschaft hofft, dass unter Macron die Zusammenarbeit beider Länder weiterhin gut und stabil bleibt. Im vergangenen Jahr war Frankreich der zweitwichtigste Außenhandelspartner Deutschlands. Für Frankreich ist Deutschland das wichtigste Exportland. Zudem sind rund 2.500 deutsche Unternehmen mit über 330.000 Mitarbeiter in Frankreich tätig.

Sorgen vor Frankreich-Wahl

Vor der Wahl blickte die Welt mit Sorge auf den Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen. So zeigte sich beispielsweise die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde, selbst Französin, besorgt. Für die zweite Runde am 7. Mai liegt in Umfragen bislang Emmanuel Macron deutlich vorn.

Schweden will Bondmarkt ankurbeln

In Schweden gibt es Pläne für einen Staatsfonds nach norwegischem Vorbild. Das Ziel ist es, den schwächelnden Anleihenmarkt anzukurbeln. Derzeit ist die Staatsverschuldung so gering, dass es zu Problemen mit der Liquidität von Staatsanleihen kommen könnte. Daher sieht Finanzministerin Magdalena Andersson in einem Staatsfonds eine Möglichkeit, dies in den Griff zu bekommen. Das Ziel ist es, mehr Schuldpapiere der Regierung aufzulegen, um so das Angebot am Markt zu erhöhen. Gelder, die nicht für staatliche Ausgaben benötigt werden, würden so in den Fonds fließen. Schweden müsste aufgrund der geringen Verschuldung sogar einen Aufschlag an Anleger zahlen, wenn diese schwedische Anleihen halten. Daher wächst die Sorgen, dass Anleger ausblieben und die Kreditaufnahme, beispielsweise im Falle einer Bankenkrise, schwieriger wird.

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Vorbild Norwegen

In Norwegen verwaltet der Staatsfonds etwa 860 Milliarden Euro und ist damit der größte dieser Art. Die norwegische Regierung sieht den Staatsfonds als „Versicherung“ wenn Öl- und Gasreserven auslaufen. Die schwedische Regierung plant bis 2020 mit einer Staatsverschuldung von 31 Prozent der Wirtschaftskraft. Damit ist Schweden deutlich geringer verschuldet als andere Euro-Länder, bei denen die Schuldenquote durchschnittlich bei 90 Prozent liegt.

Deutscher Aufschwung in Gefahr

Ökonomen warnen trotz der guten Konjunktur vor Risiken für die deutsche Wirtschaft. Die führenden Forschungsinstitute erhöhten zwar ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,5 Prozent, warnten jedoch zugleich vor Gefahren. Weltwirtschaftliche Risiken wie der Ausgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich könnten zu Risikoaufschlägen an den Finanzmärkten sorgen und letztendlich die Konjunktur belasten. Damit kreisen die Gedanken der Ökonomen derzeit mehr um politische Ereignisse als um die Konjunktur.

Portugal ab 2020 ohne neue Schulden

Portugal will bis zum Jahr 2020 schrittweise sein Defizit abbauen und ab 2020 ganz ohne neue Schulden auskommen. In diesem Jahr wird ein Minus des BIP von 1,5 Prozent erwartet, im kommenden Jahr von 1,0 Prozent. Im Rahmen eines Stabilitätsprogramms will die portugiesische Regierung zudem den Schuldenstand bis 2021 auf 109 Prozent des Bruttoinlandsproduktes reduzieren. In diesem Jahr liegt der Schuldenstand wohl noch bei 128 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Mit der portugiesischen Wirtschaft geht des derweil weiter nach oben. Die Wirtschaft wuchs nach der schweren Krise 2014 zuletzt drei Jahre in Folge.

Windstrom ohne Förderung

Erstmals muss die Windenergie-Branche in Deutschland ohne Subventionen auskommen. Dies könnte für sinkende Strompreise sorgen. Derzeit entstehen die ersten Windparks ohne die bisher übliche staatliche Förderung. Dennoch kann die Politik womöglich die Ökostrom-Ausbauziele anheben und damit den Netzausbau vorantreiben. Die Windenergie-Branche, gerade wenn es um Offshore-Windparks geht, zeigt sich sehr wettbewerbsfähig und überrascht damit sogar Experten. In Zukunft könnten einzelne Windparks ganz ohne Subventionen auskommen.

Europäischer Automarkt legt zu

Im März stiegen die Verkäufe auf dem europäischen Markt um 11,2 Prozent auf 1,89 Millionen Autos. Dies gab der Herstellerverband ACEA bekannt. Noch nie wurden in einem März so viele Fahrzeuge verkauft. Der Grund dafür sei aber die späten Osterfeiertage; im vergangenen Jahr wurde Ostern bereits im März gefeiert, dieses Jahr erst einen Monat später. Insgesamt konnten die Autoverkäufe zu Jahresbeginn im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 Prozent zulegen.

Bessere Stimmung in italienischer Industrie

Das Barometer zur Messung der Stimmung der Industrie in Italien legte im April um 0,7 Punkte zu. Auch das gesamte Geschäftsklima verbesserte sich leicht. Die Verbraucherstimmung trübte sich dagegen etwas ein. Die italienische Regierung erwartet in diesem Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent. Damit bleibt das Wirtschaftswachstum allerdings so schwach wie in kaum einem anderen Land in der Eurozone.

USA

Erneut große Übernahme in der US-Gesundheitsbranche

Der Medizintechnik-Hersteller Becton Dickinson (BD) gab bekannt, dass er für 24 Milliarden Dollar seinen Konkurrenten C R Bard übernimmt. Die Übernahme soll im Herbst abgeschlossen sein. Schon in den letzten Jahren machte die US-Medizintechnikbranche mit großen Übernahmen auf sich aufmerksam. So kaufte unter anderem im Januar der Pharmakonzern Abbott Laboratories den Hersteller St. Jude Medical für 25 Milliarden Dollar.

Verbrauchervertrauen sinkt

Im April ging das Vertrauen der US-Verbraucher deutlich zurück. Überraschend fiel das Barometer für Verbrauchervertrauen von 124,9 Punkte auf 120,3 Punkte, wie das Institut Conference Board bekannt gab. Experten hatten mit einem Stand von 122,5 Punkten gerechnet. Die Verbraucher in den USA schätzen ihre Lage damit schlechter ein als im Vormonat. Auch hinsichtlich ihrer Zukunftsaussichten sind sie skeptischer. Dennoch sind die Konsumperspektiven weiter positiv. In den USA ist der private Konsum für 70 Prozent der Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Immobilienmarkt zieht an

Dagegen legt der US-Immobilienmarkt deutlich zu. Besonders die Zahl der Neubauverkäufe zeigt ein Plus. Im März wurden 5,8 Prozent mehr Neubauten verkauft, als im Februar. Mit 621.000 Einheiten ist diese die höchste Zahl seit acht Monaten. Experten hatten mit einem Rückgang der Neubauverkäufe gerechnet. Die gute Arbeitsmarktlage führt wohl dazu, dass mehr Amerikaner eine neue Wohnung kaufen.

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Geld- und Währungspolitik

Änderung des geldpolitischen Ausblicks der EZB im Juni möglich

Derzeit gibt es Gerüchte, dass die EZB im Juni ihre geldpolitische Haltung ändern könnte. Aktuelle Wirtschaftsdaten und die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl geben Anlass zu der Annahme, dass die EZB eine Verringerung ihrer Konjunkturhilfen anstreben könnte. Auch noch niedrigerer Zinsen oder eine Aufstockung der Anleihenkäufe könnten dann vom Tisch sein.

Wenn Emmanuel Macron auch aus der zweiten Wahlrunde als Sieger hervorgeht, könnte sich die EZB wieder mehr auf Themen wie Konjunktur und Inflation konzentrieren, da die politischen Gefahren geringer werden könnten. Auch die Entwicklung der Inflation im Euroraum könnte die weitere Arbeit der EZB beeinflussen.

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